Woran wir uns orientieren

Landwirtschaft gehört zu den ältesten wirtschaftlichen Tätigkeiten der Menschheit. Die längste Zeit über dominierte dabei die Versorgungsfunktion mit Lebensmitteln, Rohstoffen und Energie. Es ist wenig verwunderlich, dass hinter dieser engen Verflechtung zwischen den Menschen und ihrer wichtigen lebenserhaltenden Tätigkeit  mehr stand als reine Produktion. Die schwere Arbeit und die große Abhängigkeit von natürlichen Produktionsfaktoren, etwa dem Wetter, stärkten die Rolle der Landwirtschaft als Teil der Volkskultur – der Agrikultur.

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Abend im Streuobstgarten

Die Anforderungen an die Landwirtschaft haben sich im Laufe der Zeit erheblich erweitert. Mit den großen Produktivitätssteigerungen einer industrialisierten Landwirtschaft gingen Beeinträchtigungen von natürlichen Ökosystemen, Ressourcenverbrauch oder Veränderungen der Kulturlandschaft einher. Gleichzeitig stiegen die Anforderungen der Bevölkerung – immer weniger einer agrarischen – an Wasser- und Luftqualität, Artenvielfalt oder Klimaschutz. Der Strukturwandel als Folge der Industrialisierung und treibender Faktor für Produktivitätssteigerungen zeigt Schattenseiten: Flächenaufgaben, Verwaldung, Verlust der Kulturlandschaft, Intensivierung.

Der Begriff der „Multifunktionalen Landwirtschaft“ versucht dem Anspruch der modernen Gesellschaft an die Landwirtschaft gerecht zu werden und fügt der Produktionsfunktion weitere hinzu: effizienter Ressourceneinsatz, naturnahe Bewirtschaftung, Erhaltung der Kulturlandschaft, Klimaschutz, Erhaltung der Artenvielfalt und nicht zuletzt Tierwohl.

Wir halten an diesem Leitbild der Multifunktionalen Landwirtschaft aus Überzeugung fest, auch wenn heute unter dem Gesichtspunkt steigender Weltmarktpreise von verschiedenen Seiten wieder die Trommeln für eine bedingungslose Steigerung der Produktion gerührt werden. Wie für viele Betriebe ist Landwirtschaft auch für uns eine Einkommensgrundlage. Sie ist aber noch mehr als das. Sie ist die Fortführung einer jahrhundertealten familiären Tradition, die Erhaltung unseres Hofes und der sie umgebenden Wiesen und Wälder. Sie ist Umwelt- und Naturschutz genauso wie die Herstellung von Lebensmitteln mit hoher Qualität. Diese Anforderungen spiegeln sich in den täglichen betrieblichen Entscheidungen wie auch in der strategischen Ausrichtung unseres Betriebes wider. Wie alle unsere BerufskollegInnen müssen wir Zielkonflikte lösen: mehr Umweltschutz oder mehr Einkommen, mehr Tierwohl oder mehr Arbeitseffizienz. Aus diesen unseren Ansprüchen suchen wir unseren Weg.

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Salli auf der Weide

Die Zivilgesellschaft und die KonsumentInnen entscheiden wesentlich mit, welche der vielen denkbaren Wege einer landwirtschaftlichen Entwicklung überhaupt offen stehen. Das Agrarumweltprogramm ÖPUL ermöglicht eine naturnahe Produktion, indem Einkommensnachteile einer Extensivierung ausgeglichen werden. Es hat womöglich unsere gefährdete Rinderrasse der Murbodner vom Aussterben bewahrt.

KonsumentInnen haben eine ähnliche Verantwortung, indem sie mit ihren Kaufentscheidungen auch über Produktionsbedingungen mitentscheiden. Man spricht heute von einer Entkoppelung zwischen Produktion und Konsum (De-Lokalisierung) und meint damit, dass Konsum weit weg von jenen Orten stattfindet, an denen produziert wird. Das hat positive Folgen: Innovation stimulierender Wettbewerb, geringere Kosten durch Spezialisierung, das Ausnützen komparativer Wettbewerbsvorteile und letztlich sinkende Preise. Damit verbunden sind aber auch Bedrohungen: wir verbrauchen Ressourcen, die an anderer Stelle fehlen, wir verschmutzen die Umwelt der Menschen in anderen Weltteilen, erzeugen Treibhausgase und vernichten biologische Vielfalt ohne es unmittelbar zu spüren. Unsere billigen Schuhe und Kleider werden von Kinderhänden gefertigt, die besser einen Bleistift halten sollten. Unter dem Primat des Preises gegenüber anderen Entscheidungskriterien, etwa der Produkt- und vielmehr noch Prozessqualität (i.e. die Art der Herstellung eines Produktes) vergessen KonsumentInnen ihre Verantwortung.

Heuarbeit auf der Leitn

Heuarbeit auf der Leitn

Wir können als LandwirtInnen im Einklang mit Natur und Kultur wirtschaften – Agrikultur betreiben – solange es Menschen gibt, denen diese Art der Produktion etwas wert ist und die das mit politischer Unterstützung oder ihrem Konsumverhalten auch ausdrücken. Damit wird deutlich, dass wir nur gemeinsam einen Beitrag leisten können.

Daran orientieren wir uns.